Donnerstag / Freitag 08. / 09.12. / Einlass 20 Uhr, Beginn 21 Uhr puenktlich! Unkostenbeitrag 7.- / Ermaessigt 5.-
SPRECHMUSIK Festival 2011
TEXT-KLANG, SPRACHAKROBATIK, LAUTPOESIE

Das Festival SPRECHMUSIK, welches dieses Jahr zum ersten Mal stattfindet, widmet sich einer experimentellen Schnittmenge aus Literatur, Musik, Klangkunst und Performance. Es handelt sich um eine eigenstaendige Form experimenteller Klangkunst und Musik, die sich auf eine lange, aber immer noch wenig beachtete Tradition bezieht: die phonetische Poesie und Lautmusik der Dadaisten, die Elektronik- und Tonbandexperimente mit Sprache und Stimmlauten der Neuen Musik seit den 1950ern, oder Vokalakrobatik im neuen Jazz und in der improvisierten Musik. Dass es sich hierbei nicht um ein historisches Phaenomen handelt, sondern auch heute noch emsig an den Grenzen von Sprache und Musik experimentiert wird, kann bei dem jaehrlich geplanten Festival SPRECHMUSIK live erlebt werden:

Donnerstag 08.12.

21h - GERHARD RUEHM
Mitwirkung MONIKA LICHTENFELD (Koeln)
22h - - DAGMARA KRAUS (Leipzig) und MARC MATTER (Duesseldorf)
22:30h - PHILLIP SCHULZE / WEISSER WESTEN (Duesseldorf)

Freitag 09.12.

21h - ENNO STAHL (Duesseldorf)
21:30h - JOERG STEINMANN / Mitwirkung ANNE SIEVERT (Duesseldorf)
22:30h - MAJA S. RATKJE (Oslo)

Gerhard Ruehm, lebende Legende in Sachen akustischer Literatur und konzeptueller Poesie, fuehrt zusammen mit Monika Lichtenfeld ein Sprechkonzert auf. Phillip Schulze in Repraesentation des popduos WEISSER WESTEN (zweiter part Angela Fette) praesentiert ihr musikalisches Moneyfest. Dagmara Kraus, konzeptuelle Lyrikerin aus Leipzig, konfrontiert einige ihrer abstrakten Texte mit den Geraeusch-Miniaturen von Marc Matter (Institut fuer Feinmotorik). Enno Stahl, Schriftsteller und Lautpoet, zeigt eine Performance mit Stimmlauten und Effektgeraeten. Joerg Steinmann (Mitwirkung: Anne Sievert) stellt seine neuen Arbeiten mit transkribierten Texten (Interviews) und improvisierten Sounds vor. Maja S. Ratkje (Oslo) verwendet bei ihren Live-Performances ihre Stimme, die sie digital verfremdet und mit den Klaengen ihres Theremins und weiterer Elektronik mischt.

FREUNDLICHE UNTERSTUETZUNG: KULTURAMT DER STADT DUESSELDORF, APPROXIMATION E.V., KUNSTHALLE DUESSELDORF


GERHARD RUEHM geboren 1930 in Wien, experimenteller Lyriker, Dramatiker und Prosaautor, ausgebildeter Musiker. Anfang der 1950er Jahre, Mitbegruender der Wiener Gruppe. Ab 1972 Lehrtaetigkeit an der staatlichen Kunsthochschule Hamburg. Als ihr radikalster "konkreter Poet" versuchte Ruehm (mit H. C. Artmann und Konrad Bayer) zum Teil in Rueckgriff auf die Avantgarde des Expressionismus und Surrealismus eine theoretische Standortbestimmung der Wiener Gruppe. Sein eigenes Werk ist sehr heterogen: in die Lyrik gehen akustische wie graphische Elemente ein. Die Entwicklung des neuen Hoerspiels beeinflusste Ruehm durch zahlreiche innovative akustische Arbeiten. 1978-83 Praesident der Grazer Autorenversammlung; 1991 Grosser Oesterreichischer Staatspreis fuer Literatur. Lebt in Koeln.

PHILLIP SCHULZE geboren 1979 in Duesseldorf, arbeitet in den Bereichen der zeitbezogenen Kuenste. Er studierte Medienkunst und Szenografie an der Hochschule fuer Gestaltung in Karlsruhe (ZKM) sowie Komposition an der Wesleyan Universitaet in den USA. Seine Arbeiten oszillieren zwischen unterschiedlichen kuenstlerischen Ausdrucksformen. Er konzentriert sich auf Kompositionen fuer klassische Musikinstrumente, elektroakustische Musik mittels Synthesizer, und selbst entwickelten Softwareinstrumente. 2010 erhielt er den Audi Art Award und ein Honory Mentioning im Bereich Digitaler Musik &und Klangkunst der Ars Electronica in Linz. Seit 2011 Vertretungsprofessor fuer Musikinformatik am Institut Fuer Musik Und Medien (Robert Schumann Hochschule).
ANGELA FETTE geboren 1970 in Hamburg, lebt und arbeitet als bildende Kuenstlerin und Perormance-Kuenstlerin in Duesseldorf. Sie studierte an der Hochschule fuer Gestaltung in Offenbach, an der Staedelschule in Frankfurt / Main, an der Parsons School of Design in New York, sowie an der Kunstakademie Duesseldorf. Zahlreiche Ausstellungen, in letzter Zeit auch vermehrt experimentelle Performances und Texte. In Kuerze erscheint eine erste Schallplatte.

DAGMARA KRAUS, geboren 1981 in Polen, lebt und arbeitet in Leipzig und Berlin. Sie schreibt Lyrik und Kurzprosa. Neben der Arbeit an ihrer Dissertation ueber den Philisophen E.M. Cioran studiert sie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 2008 gewann sie den Publikumspreis beim Lyrik-Wettbewerb "Prosanova". Zur Zeit arbeitet Sie zusammen mit Klangkuenstlern an der experimentellen Vertonung ihrer Texte. Im Fruehjahr 2012 erscheint ihr erstes Buch im kookbooks Verlag.

MARC MATTER, geboren 1974 in Basel (CH), Medienkuenstler, Musiker und Autor, lebt momentan in Duesseldorf. Gruendungsmitglied der Kuenstlergruppe INSTITUT FUER FEINMOTORIK, mit der er seit 1997 zahlreiche Tontraeger, Experimentalfilme, ein Buch und allerlei Kleinigkeiten mehr veroeffentlicht hat. Ab 1999 Studium an der Kunsthochschule fuer Medien, Koeln. Seit 2010 Dozent fuer Text und Musik am Institut fuer Musik und Medien (Robert-Schumann Hochschule). Interpretierte mit anderen Klangkuenstlern einen dadaistischen Roman von Hugo Ball als experimentelles Hoerspiel (Schweizer Radio DRS). Ende 2009 erschien das Radio-Stueck "Radio-Imitat" auf CD. Mit dem Institut fuer Feinmotorik erhielt er 2011 den Karl-Szcuka-Preis des SWR fuer Radiokunst.

ENNO STAHL, geboren 1962 in Duisburg. Studium Germanistik, Philosophie und Italienisch in Aachen, Koeln, Florenz und Siegen, 1997 Dr. phil. mit einer Arbeit ueber Abstraktion in der Literatur der Moderne. Seit Mitte der 80er Jahre Prosa, Lyrik, Essays, Glossen u. Kritiken in Zeitungen und Sendern (DLF, FAZ, Die Zeit, junge welt u.v.m.) sowie in Zeitschriften u. Anthologien. Lesungen und Text-Performances in halb Europa, den USA, Japan, Thailand, Russland etc.. Arbeitsstipendium des Landes NRW, 2003 Auswahl beim Essay-Wettbewerb der Heine-Gesellschaft, 2008 Hoerspielstipendium Filmstiftung NRW.

JOERG STEINMANN, geboren 1959 in Oberhausen, lebt und arbeitet in Duesseldorf. Studium an der Kunstakademie Duesseldorf bei Norbert Kricke und David Rabinowitch. Zahlreiche Ausstellungen und Performances, seit einigen Jahren verstaerkt als Klangkuenstler. Seine akustischen Performances im oeffentlichen Raum, bei denen er vor allem urbane Klanglandschaften weiterverarbeitet, sind mittlerweile ein fester Bestandteil der freien Kunstszene Duesseldorfs.

MAJA S. RATKE, geboren 1973 in Trondheim, lebt und arbeitet in Oslo. Studierte Komposition an der Musikakademie Oslo. Sie ist als Komponistin von Avantgarde-Musik bekannt (Auftragsarbeiten fuer Radio France, Klangforum Wien etc), und betreibt einige Nebenprojekte, die in Richtung Noise-Musik und abstrakte Geraeusch-Collagen gehen. Als Solo-Kuenstlerin arbeitet sie meist mit ihrer Stimme, die sie mit elektronischen Effekten und Software-Instrumenten live bearbeitet. Erhielt 2003 den Prix Ars Electronica fuer ihr Album Voice, und vertongte zuletzt Texte von Elfriede Jelinek fuer den Bayrischen Rundfunk.