APPROXIMATION 7:1
Festival im Salon des Amateurs

Sonntag 10. September
THANKYOUSTREETSOUND
THE BOATS

Dienstag 12.September
MAN
GOLDMUND

Donnerstag 14.. September
JOHN TILBURY & MARCUS SCHMICKLER

Sonntag 17. September
CHARLEMAGNE PALESTINE

Einlass jwls. 21h / AK jwls. 8.-


Ein Instrument, tausend Bilder. Keine Verbindung zwischen Musiker und Instrument prägt sich so nachhaltig ein, wie die des Menschen am Piano. Bereits die Klischees sind unzählig. Sie reichen von Glenn Gould über Udo Jürgens bis Thelonious Monk und so fort. Aber das Klavier verbleibt nicht bei den Klischees. Weit gefehlt! Die Möglichkeiten des akustischen Instruments mit dem größten Spielbereich sind noch lang nicht aufgebraucht. Scheint es auch, dass der Synthesizer das bestimmende, innovative Tasteninstrument unserer Tage ist.

Doch so mancher Schein trügt.

Approximation 7:1 zeigt nun zum zweiten Mal den Stand und die Vielfalt avancierter Klaviermusik jenseits stilistischer Vorgaben. Ein Licht fällt in Nischen und an vier Konzertabenden sind sieben Konzerte zu sehen. Das Klavier, allein oder im kleinen Ensemble

Es beginnt mit den mysteriösen
THANKYOUSTREETSOUND aus Karlsruhe, am selben Abend folgen THE BOATS aus Manchester. Ihre zarte Melancholie tanzt über die Noten. Pianotristesse wie pastellne Rosen.

Den zweiten Abend bestreiten MAN die nicht etwa die legendären Gitarrenhelden aus Wales, sondern ein Duo das Nantes seine Heimat nennt. Ihre filigrane Arbeit mit akustischen Instrumenten und Klangeffekten erschließt eine Idee der "reinen Töne" mit der sich Klaviermusik, aus der Natur des Instruments heraus, immer wieder auseinandersetzt. Diesen Weg führt GOLDMUND alias Keith Kenniff aus Boston fort. Der Multiistrumentalist erschafft Schönheit aus Einfachheit. Doch auch hier sind es keineswegs simple Effekte, sondern Forschungen in Klang und Melodie.

MARCUS SCHMICKLER leitet den dritten Abend ein. Bekannt wurde der Kölner durch seine elektronischen Arbeiten als Pluramon, Wabi Sabi, Sator Rotas oder Paramund seine Produzententätigkeit. Er wurde nachhaltig von der Neuen Musik um Stockhausen geprägt und führte ihn zum Studium an der Kölner Musikakademie. Er erhielt 2002 den Förderpreis des Landes NRW. Seine Arbeiten bearbeiten sehr explizit ein Spannungsfeld aus klassisch-komponierter Musik und ihrer Avantgarde sowie den experimentellen Formen der Popkultur. Noch deutlicher dem Klassischen verbunden ist der Brite
JOHN TILBURY. Bereits 1968 gewann Tilbury den Gaudeamus-Wettbewerb für Neue Musik in Holland und zählt mittlerweile schon lange zu den bedeutendsten Pianisten der improvisierten Musik.

Ein Solokonzert beschließt am vierten Abend das Festival. Es spielt niemand geringeres als CHARLEMAGNE PALESTINE, eine der fünf maßgeblichen Figuren der Minimal Music. Seine Solo Werke, zwischen Strenge und Improvisation beleuchten die Möglichkeiten der präparierten Pianos und der resonierenden Obertöne. Er sieht seine Arbeiten als alchemistische Arbeiten, welche innere Prozesse anregen, statt in mathematischen Strukturen zu brillieren.

Man muss die Konzerte nicht als Reflexionen über die Möglichkeiten des großen
perkusssiven Saiteninstruments sehen, um die Qualität der Musik zu erkennen und nachzuvollziehen. Sie bieten aber die Möglichkeit, das Klavier neu für sich zu verstehen und es an ungewohnten musikalischen Orten wiederzufinden. Verblüffung über das scheinbar nur gewohnte Instrument ist eine wahrscheinliche Reaktion, eine neue Begeisterung für das nun größte Nischeninstruments, eine weitere. Darum und um die damit verbundenen Musikalischen Entdeckungen geht es bei Approximation 7:1.

TEXT: OLIVER TEPEL (SPEX, Koeln)



Mit freundlicher Unterstuetzung von:

Der Gute Ton / C. Bechstein / Institut Francais



CHARLEMAGNE PALESTINE


JOHN TILBURY